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Zillertaler Seilbahnpionier Ing. Franz Warum verstorben, 1928 – 2021

Mittwoch, 26. Januar 2022
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„Er war seiner Zeit voraus“ – so nannte sich der Titel eines Artikels in den Bezirksblättern vom 7./8. Jänner 2021, der einige Stufen und Initiativen des erfolgreichen Lebens von Ing. Franz Warum zu beschreiben versuchte. Wohlwissend, dass Platz für ein Buch notwendig wäre. Franz Warum hat eindeutig Spuren hinterlassen.

Nach dem frühen Tod seiner Eltern ist er bei seinem Onkel und dessen Frau sowie deren Kindern oberhalb des Millstättersees aufgewachsen. Nach dem Besuch der Hauptschule in Radenthein haben ihm seine Zieheltern den Besuch der Staatsgewerbgeschule (HTL) für Maschinenbau in Klagenfurt ermöglicht. Mit 16 Jahren im Dezember 1944 noch für wenige Monate in den Krieg eingerückt, konnte Franz Warum seine Ausbildung erst nach Kriegsende fortsetzen und 1949 mit der Matura abschließen. Detail am Rande: Fast unglaublich ist die Tatsache, dass Franz Warum gemeinsam mit drei weiteren Klassenkameraden (von immerhin noch acht lebenden) im Sommer 2021 in Kärnten das 72-jährige Maturatreffen feiern durfte.
  
Als Praktikant beim Bau der Kraftwerksgruppe „Reisseck“ im Kärntner Mölltal hatte er Beton gemischt, ehe der Besuch eines Technikers des Werks Radenthein bei seiner Ziehmutter eine Wende bedeuten sollte. So wie viele andere war auch er gekommen, um im Magnesitwerk Tux – dem damals höchstgelegenen Bergbau- und Hüttenbetrieb Europas – Arbeit zu finden. Ob er im März 1950 mit 22 Jahren aber tatsächlich für immer bleiben wollte, sei dahingestellt. Seine Lebensplanung dürfte die Begegnung mit einer Marketenderin der Musikkapelle bei einem der letzten „Butterlamm Skispringen“ in Tux aber kräftig durcheinandergewirbelt haben. Die Hochzeit mit seiner Maria am 5. Mai 1952 machte die Bergbaugemeinde zum Lebensmittelpunkt des jungen Maschinenbauers.  
 
Für Franz Warum galt es auf Grund seiner Ausbildung als Maschinenbau-Ingenieur sehr früh Verantwortung zu übernehmen. Zu Beginn haben Zeichentisch, Rechenschieber und fein säuberlich geschriebene Unterlagen aus der HTL sein Berufsleben bestimmt. Anhand hunderter Tuschezeichnungen auf Transparentpapier haben werkseigene Schmiede und Schlosserei sowie zuliefernde Betriebe wie die Wiener Poligwerke u. a. Stützen für die neue Personenseilbahn ins Magnesitwerk Tux gefertigt. Er entwickelte sich vom Konstrukteur zum Seilbahnchef der „Schrofenbahn“ und versorgte mit seinem Team das am 21. Dezember 1976 geschlossene Magnesitwerk Tux mit für die damaligen Verhältnisse modernster Technik und Infrastruktur.
  
Von seinem ersten und liebsten Arbeitsplatz auf 1.700 m Seehöhe hat er Tag für Tag dorthin gesehen, wo heute Tausende Skifahrer und SnowboarderInnen ihrem Winterspaß frönen dürfen. Die Gründung einer Aktiengesellschaft zur Finanzieurng eines Sessellifts zur „Eggalm“ sowie zweier Schlepplifte hatte ihre Tücken. Mit begeisterten Tuxer Wegbegleitern sowie mit persönlichem Engagement und Risiko bei der Erschließung  des Skigebietes „Eggalm“ wurde auch eine Basis für die weitere Tourismusentwicklung der Gemeinde Tux gelegt. Ihm und einem seiner kongenialen Mitstreiters, dem viel zu früh verstorbenen Tuxerhofwirt Heinrich Schneeberger, kam übrigens die Idee für den Zillertaler Skipass.
  
Vier Jahre vor der Schließung des Magnesitswerks (das ganz maßgeblich an der Entwicklung des Wohlstandes der Tuxer Bevölkerung beigetragen hat), wechselte Ing. Franz Warum zur Zillertaler Gletscherbahn und hatte dort mit seinen Erfahrungen und Führungsqualitäten mit seinem Team oft unter schweren Bedingungen das Unternehmen modernisiert und den erfolgreichen Aufschwung eingeleitet. 1982 folgte ein weiterer Neustart: Nach Beendigung seiner Anstellung in Hintertux gewann der 54-jährige (!) Franz Warum das Vertrauen der Mayrhofner Bergbahnen rund um Vorstandschef Erich Heiß und Ing. Gustav Sternagl, entwickelte und erschloss mit einer jungen Mannschaft das „Horberggebiet“ – ein weiterer Meilenstein des Unternehmens der Mayrhofner Bergbahnen.
  
Seine Berufslaufbahn beendete der Verstorbene 1992, aber nicht ganz, denn bis zu seinem 85. Lebensjahr war Ing. Franz Warum noch als Infoscout auf seinen Skiern im Skigebiet unterwegs und beriet Einheimische wie Gäste in aller Freundschaft. Das letzte Mal mit Skiern unterwegs war er mit seinem Sohn Florian mit 88 Jahren am Ahorn.
  
Für all seine Pionierleistungen wurde er 2018 anlässlich seines 90. Geburtstags mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk von Ing. Klaus Hönigsberger (Präsident Skiareatest), Harry Posch (Vizepräsident) und Ing. Ernst Rahnfeld (Ehrenpräsident Skiareatest und ehemals Elin Seilbahntechnik) in der Klausenalm in Ginzling in Anwesenheit seiner Frau Maria sowie der Kinder Peter, Michaela, Christian und Florian ausgezeichnet. In diesem Zusammenhang sei auch die nicht mindere Auszeichnung der Gemeinde Tux mit der Verleihung des „Ehrenringes der Gemeinde Tux“ im Jahr 1978  angeführt.
  
Nicht unerwähnt bleiben soll die 24-jährige Tätigkeit als gewählter Gemeinderat der Gemeinde Tux und die langjährige Tätigkeit als Pfarrgemeinde- und  Pfarrkirchenrat das Engagement politischer und religiöser Belange betreffend.
Auch ich kannte als wesentlich Jüngerer meinen späteren Nachbarn Ing. Franz Warum. Was all jenen, die seinen langen Lebensweg mitbeschritten haben, immer in Erinnerung bleiben wird, … sind die Liebe zu seiner Familie, seine offene Art sowie seine aufrechte Haltung und sein geradliniger Charakter. Er ruhe in Frieden!

(Florian Warum und Andreas Gredler, Zillertaler Zeitung)

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