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Hochwasserkatastrophe 1956

Niedergeschrieben von Franz Steiner, Jahrgang 1925, aus Hart

Donnerstag, 18. November 2021
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Nach schweren Regenfällen, ich glaube um den 20. August herum, es hat bis über die Gletscher hinauf geregnet, kam es fast im ganzen Zillertal zum großen Hochwasser. Ganz Zell stand unter Wasser, eigentlich war das ganze Tal ein einziger See.

In unserem Bereich, nördlich von Ried, in der Nähe steht ein Bauernhaus mit Namen Standlpuint, ist südlich davon der Ziller ausgebrochen. Das Haus stand plötzlich auf einer Insel.
Der Ziller floss über die Uderner Felder und wo heute die Firma Hollaus ihr Baulager hat, wieder ins Zillerbett, da das alte Zillerbett einen großen Knick machte und genau in diesem Bereich ein 110-KW-Strommasten stand. Wir waren gegenüber am Ziller beim Holzauffangen. Der Ziller brachte ja bei Hochwasser immer viel Holz mit. Das Wasser hat den Masten unterspült, dass er schließlich mit großem Getöse und einem grellen Lichtstrahl, hervorgerufen durch Kurzschluss, dass wir regelrecht geblendet wurden, niederstürzte. Im ersten Augenblick konnten wir nichts mehr sehen. Bei der Schöffstallbrücke – einer Holzbrücke über den Ziller – schlug das Wasser an die Holzbrüstung. Man glaubte, die Brücke würde dem Wasserdruck nicht mehr lange standhalten, aber sie war doch solide gebaut, sodass sie stehen blieb. Das Wasser floss links und rechts von der Brücke ab. Die Häuser beim Schöffstall standen meterhoch unter Wasser.
Wir haben bei der Firma Lang gearbeitet, die Baustelle hatten wir in Jenbach, gegen Feierabend bekamen wir Bescheid, dass wir nicht heim könnten, da die Brücke wegen Einsturzgefahr gesperrt werden musste. So mussten wir draußen im Lager Jenbach übernachten. Am nächsten Tag nach Feierabend wollten wir heim, aber die Firma wollte uns noch zurück halten, da der Ziller noch viel Wasser führte. Doch wir wollten umgehend nach Hause. So sind wir ins Zillertal gefahren und konnten dabei das ganze Ausmaß dieser Hochwasserkatastrophe sehen.
Zwischen Schlitters und Fügen reichte das Wasser bis zum Bahndamm. Teilweise wurde der Damm noch überspült. Bei der Brücke war das Wasser noch so hoch, dass es gerade nicht mehr an die Brückenbrüstung anschlug. Die Brücke durften wir nur einzeln begehen. Das Wasser stand nach dem Hochwasser noch Tage lang in den Feldern.
Hochwasser gab es früher schon öfter, wenn schwere Gewitter nieder gingen oder tagelang Regen fiel und es in die Gletscher regnete. Das Zillerbett war früher auch seichter – nicht so tief wie heute. In Helfenstein (Gemeinde Hart) standen die Bauernhäuser Wurm, Troppmeier, Kila fast alle Jahre im Sommer unter Wasser.
Mein Vater erzählte mir (er ist ja in Helfenstein aufgewachsen), dass einmal sogar im November Hochwasser war und die Felder und Häuser unter Wasser standen. Ich habe es selber erlebt, war ich doch 1946 und 1947 Pferdeknecht beim Wurm-Bauern. Beide Jahre stand das Wasser zweimal im Hausgang einen halben Meter hoch. Wir sind mit der Badewanne – natürlich damals aus Holz – durch den Hausgang gepaddelt, nicht gerade zur Freude des Bauern. Wenn heute wieder so viel über den Bau von Kraftwerken und Stauseen diskutiert wird, kann ich nur sagen: Für das Zillertal waren diese Bauten ein großer Segen. Da müsste es schon eine extreme Wettersituation geben. Sonst ist das Zillertal ziemlich sicher vor Überschwemmungen. Der Ziller wurde auch vom Bereich Hart-Helfenstein bis Mayrhofen gut ausgebaut und um zwei Meter vertieft.

Zillertaler Zeitung

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