Tourismus im Wandel der Zeit

Passend zum 1. Teil der Serie hat sich der Autor als Römer verkleidet. In Zeiten wie diesen tut auch ein bisschen Humor ganz gut!


In einer mehrteiligen Serie spannt Anton Höllwarth den Bogen von den Anfängen des Fremdenverkehrs bis hin zur Gegenwart. 

Zweckbetonte Fremdenverkehr

Bis ins 19. Jahrhundert hinein war der Fremdenverkehr vorwiegend zweckbetont. Man „musste“ reisen, sei es, um Geschäfte zu machen, um etwas gegen eine Krankheit zu tun ( Heilbäderbesuch), um einen Wallfahrtsort zu besuchen oder auch, um seine Bildung zu erweitern.

Wenn wir heute die Masse des Gästestromes im modernen Fremdenverkehr betrachten, so sind es Menschen, die Vergnügen daran finden zu reisen. Man reist vorwiegend „zur Erholung“, „zur Abwechslung“, „zur Sportausübung“ oder zum „Kulturgenuss“, man unternimmt kurz gesagt „Vergnügungsreisen“.

Für „Erholungsreisen“ in alter Zeit gibt es nicht viele Beispiele. Von besonders begüterten Kreisen aus dem alten Rom wissen wir, dass sie aus der sommerlichen Hitze der Großstadt in ihre Villen nach Ostia, Capri oder Pompeji kamen, um sich zu erholen. Von den alten Griechen ist bekannt, dass sie sich massenhaft zum Besuch der Olympischen, Isthmischen oder Delphischen Spiele einfanden oder die Theateraufführungen in Athen besuchten (Kunstgenuss durch Reisen). Der mittelalterliche Fremdenverkehr blieb im Wesentlichen auf Geschäftsreisen, Wallfahrten und Bäderbesuche beschränkt. Im 17. und 18. Jahrhundert besuchten junge Adelige gerne europäische Hauptstädte (Bildungsreisen). Die Verkehrsrevolution des 19. Jahrhunderts gab einen ersten wichtigen Anstoß zur Wandlung im Fremdenverkehr. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Entwicklung des Eisenbahn- und des Dampferverkehrs in den zivilisierten Ländern soweit fortgeschritten, dass weitere Kreise der Bevölkerung reisen konnten. Die Schönheiten der Natur, die Kunstschätze, die Heilbäder, Feste und Feiern waren nun nicht mehr so beschwerlich zu erreichen, und bald begannen weitblickende Unternehmer mit der Organisation und Durchführung von Gesellschafts- und Einzelreisen auf geschäftlicher Basis. Darüber hinaus wurden mit den Erfindungen des Automobils (Marcus 1864, Daimler-Benz 1885) und des Flugzeuges (Brüder Wright 1903) die entscheidenden Grundlagen für die Entwicklung des Massentourismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschaffen.

Bevölkerungsexplosion

Über die Verkehrsrevolution hinaus wurden andere historische Entwicklungen für das Aufkommen eines „neuen“ Fremdenverkehrs maßgeblich. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts brachten zahlreiche teermische Erfindungen eine erste industrielle Revolution. Sie brachte das Abwandern zahlreicher Menschen vom Land in die Stadt. War bisher im bäuerlichen oder handwerklichen Bereich im Allgemeinen nur dem Erben des Hofes oder Betriebes eine Familiengründung möglich, so wurden nunmehr in den Industrievierteln von den Abgewanderten ebenfalls Familien gegründet, zur industriellen Revolution kam eine Bevölkerungsexplosion. Die Landbevölkerung nahm ab, die der Städte wuchs ungeheuer. Dazu trat eine Verbesserung des Volkswohlstandes, eine Steigerung des Einkommens, die im Laufe unseres Jahrhunderts mehr und mehr auf die breite Masse der Bevölkerung übergriff.

Wunsch nach Erholung

Gleichzeitig erhielten neue Motive innerhalb der Fremdenverkehrsbewegung Bedeutung. Die Anhäufung von Menschenmassen in den Industriezonen, der Lärm, die Luftverschmutzung und die Beengtheit des Wohnraumes gaben dem Wunsch nach Erholung mehr Gewicht. Die Forderung der Bevölkerung nach Besserung der Lebensverhältnisse fand u. a. auch im Urlaubsanspruch ihren Ausdruck. Zwischen den beiden Weltkriegen konnte man bereits, wenn auch noch in bescheidenem Maß, Urlaubsforderungen durchsetzen. Im Fremdenverkehr fand diese Entwicklung zunächst in der „Sommerfrische“ ihren Ausdruck. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in den meisten Ländern Europas die Urlaubsregelung nach unseren heutigen Auffassungen getroffen und damit - zusammen mit der allgemeinen Hebung des Lebensstandards - die Entwicklung des Massen-Erholungsfremdenverkehrs eingeleitet, der zu einer internationalen Bewegung geworden ist.

ah