Stollenüberleitung „Tuxbach“ in Betrieb


Über einen neuen, 8,6 km langen unterirdischen Stollen gelangt seit Anfang September Wasser vom Unteren Tuxbach in den bestehenden Stillup-Speicher. Dort wird es über ein neues Kleinkraftwerk und in weiterer Folge über das Kraftwerk Mayrhofen mehrfach zur Wasserkrafterzeugung genutzt. Trotz des Verzichts auf eine große Feierlichkeit ließen es sich LH-Stv. Josef Geisler, die Bürgermeisterin und Bürgermeister der Anrainergemeinden sowie Vertreter der Projektpartner VERBUND und Stadtwerke Schwaz nicht nehmen, vergangene Woche die Inbetriebnahme der Stollenüberleitung und des Ökokraftwerks Stillup unter Einhaltung aller Covid-19-Vorsorgemaßnahmen persönlich vorzunehmen.

Ein zentrales Element des Projektes Unterer Tuxbach, das im Zillertal von VERBUND in Partnerschaft mit den Stadtwerken Schwaz umgesetzt wird, ist eine 8,6 km lange Stollenverbindung zwischen dem Unteren Tuxbach und dem Stillup-Speicher. Seit dem Spatenstich 2017 wurde diese überdimensionale Wasserleitung zunächst im Sprengvortrieb und dann unter Einsatz einer Tunnelbohrmaschine errichtet. Das Gefälle zwischen der Wasserfassung und dem Speicher wird mithilfe eines neuen Kleinkraftwerks zur Erzeugung von sauberen Strom genutzt. Anschließend wird dieses Wasser dann im Stillup-Speicher zwischengespeichert, bevor es im Kraftwerk Mayrhofen nochmals zur Stromerzeugung verwendet wird. Diese Mehrfachnutzung macht die vorhandenen Kraftwerke noch leistungsfähiger und flexibler.

Karl Heinz Gruber, Geschäftsführer der VERBUND Hydro Power GmbH betonte die Wichtigkeit dieser zusätzlicher Erzeugungs- und Speicherkapazitäten für die Energiewende: „Mit dem zunehmenden Ausbau von Windkraft und Photovoltaik steigt die Wetter- und Witterungsabhängigkeit der Stromerzeugung. Damit wir auch weiterhin rund um die Uhr eine konstante Stromversorgung sicherstellen können, brauchen wir planbare und verlässliche Kraftwerke, die diese Schwankungen ausgleichen. Speicherkraftwerke, wie hier im Zillertal, bieten diese Eigenschaften.

LH-Stv. Josef Geisler: „Wir haben der Kraft des Wassers viel zu verdanken. Sie bildet eine stabile Säule in der Energieversorgung. Wir haben aber noch viel vor uns und arbeiten aktiv daran, unser Ziel ‚Tirol 2050 energieautonom‘ zu erreichen. Wir wollen die Ressourcen nutzen, die wir im eigenen Land vorfinden.“ 

Alle Beteiligten betonten zudem, dass gerade in herausfordernden Zeiten, in denen auch die Wirtschaft leidet, Vorhaben wie das Projekt „Unterer Tuxbach“ den Konjunkturmotor am Laufen halten und Beschäftigung inklusive damit verbundener Steuern und Abgaben sichern. Immerhin wurden hier rund 70 Mio. € in eine saubere Stromzukunft investiert, die laut einer aktuellen Studie zusätzliche Wertschöpfungspotenziale von über 45 Mio. € direkt in Tirol und Österreich auslösen.

Projekt Unterer Tuxbach

Über eine eigens errichtete unterirdische Verbindung zwischen dem unteren Tuxbach und dem Stillup-Speicher wird das Wasser am Ende der Überleitung in einem neuen Ökostromkraftwerk mit einer Leistung von rund 1,7 MW zur CO2-freien Stromerzeugung genutzt. Durch die einmalige Kombination aus der neuen Überleitung samt Kleinkraftwerk und der Verknüpfung mit dem bestehenden Kraftwerk Mayrhofen können in Summe jährlich zusätzlich 74 Mio. Kilowattstunden heimischer Wasserkraftstrom erzeugt werden - um mehr als 20.000 Haushalte mit CO2-freien Strom zu versorgen.

Um die unumgänglichen Eingriffe in die Natur auszugleichen, wurden in der Projektumsetzung eine Reihe von ökologischen Maßnahmen gesetzt.

So wird die auf dem Gemeindegebiet von Finkenberg bestehende Kraftwerksanlage Tuxbach mit dem Becken Großdornau aufgelassen und zurückgebaut. Mit der (bereits erfolgten) Auflassung der dazugehörenden Wasserfassungen Stillup und Tuxbach haben sich die Wassermengen in den jeweiligen Bachläufen bereits dauerhaft erhöht.

Weiter werden  im kommenden Jahr die im Bereich Großdornau oberirdisch laufenden Rohrleitungen zum Krafthaus Bösdornau unter die Erde verlegt und das Zwischenbecken entfernt. Die dabei frei werdenden Flächen stehen so künftig für eine anderweitige Nutzung zur Verfügung.

Und schließlich wird die Effizienz des Kraftwerks Bösdornau gesteigert, indem das Wasser des Zemmbaches zukünftig nicht in drei alte, sondern einem neuen Maschinensatz zur Abdeckung des Eigenbedarfs der Kraftwerke verwendet wird. Damit bleibt auch die wichtige Schwarzstartfähigkeit im Falle großflächiger Stromausfällen sichergestellt, die bewirkt, dass im Anlassfall von dieser Anlage aus, die Stromversorgung Schritt für Schritt wieder überregional  aufgebaut werden kann.  

 

Eckdaten zum Projekt

Stollenverbindung Tuxbach

 

Ausbaudurchfluss:

11,0 m³/s

Jahreswassermenge:

ca. 60 Mio. m³/Jahr

Stollenlänge: 8,6 km

Stollendurchmesser: 3,5 m

Höhenunterschied: 32 m

 

Kleinkraftwerk Stillup

 

 Turbinentyp:

Francisturbine

Ausbaudurchfluss: 7 m³/s

Leistung: 1,7 MW

Jahreserzeugung:

7.000.000 kWh