Osterbrief 2019

Thomas Hundsbichler (l.) und Hr. Hainzl sind immer wieder mal zur Kontrolle vor Ort.

Britta Wulfekammer leitet die Workshops im Health-Center.

Notwendige Reparaturarbeiten in der Dusche.

Ein Meilenstein beim Treffen des Ältestenrates - die Unterzeichnung gegen die Beschneidung.


Gerade um die Osterzeit war es Maria Schiestl immer wieder ein ganz großes Anliegen Rückschau zu halten, aus ihrer zweiten Heimat zu berichten und DANKE zu sagen für all die Hilfe, die ihr und „ihrem“ Projekt das ganze Jahr über zuteil wurde. Ich, Ludwig Mülleder und die Sterntaler-Familie möchte diese Tradition fortsetzen und Ihnen über die Entwicklungen, Fortschritte aber auch Rückschläge aus dem Loita Hochland berichten.

Es gibt eine enge Verbindung zwischen Österreich und Entasekera. Im schwierigen Jahr 2017 war es vor allem der Lionsclub, welcher mit großzügiger Unterstützung die Fortführung des Krankenhauses Entasekera sicherte. 2018 war es dann der Rotary Club Zillertal, der gemeinsam mit anderen Clubs aus Tirol das Projekt „Sanierung der Wasserversorgung“ finanzierte. Franz Hainzl überprüfte vor kurzem dieses Wasserprojekt. Das Überwasser wurde außerhalb des Zaunes geleitet und ermöglicht nun, dass die Bevölkerung sauberes Trinkwasser in Kanistern holen kann.

Das Um und Auf sind jedoch die vielen Einzelspenden, Kranzablösen, die Spenden statt Geschenken bei Feiern und Jubiläen. Ohne sie und ohne die Beiträge von Bruder&Schwester In Not, Seisofrei und dem Land Tirol wäre es zur Zeit noch schwierig, den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Es ist schon bei uns keine einfache Aufgabe, in einer Organisation Änderungen zu veranlassen. In Afrika nimmt so etwas noch wesentlich mehr Zeit in Anspruch, weil das Bewusstsein, dass Veränderungen notwendig sind um in Zukunft bestehen zu können, erst geschaffen werden muss. Zu diesem Zweck wurde vor einem Jahr mit Workshops unter der Leitung von Britta Wulfekammer vor Ort in Entasekera ein Entwicklungsprozess gestartet. Das Ziel ist, dass mit den Jahren die Mittel aus Österreich stark reduziert werden können. Damit einher geht auch die Stärkung der Managementkompetenzen. In einem ersten Schritt sollte das Hospital Management Team das Budget für 2019 möglichst alleine erstellen. Es hat sich gezeigt, dass das schwierig war und der Unterstützung bedarf. Eine Delegation reiste Anfang März nach Entasekera und gemeinsam wurde beraten und das Budget fertig gestellt.

Dass Kommunikation schwierig ist, wissen wir. Wir erfahren oft spät von Problemen, bei denen man einfach hätte helfen können. So gab es vor zwei Monaten beim Rettungsauto ein Problem am Differential. Es war keine große Sache und glücklicherweise stellte Fred das Fahrzeug ab, weil kein Geld für die Reparatur da war. Vor Ort konnte die Sache dann besprochen und gelöst werden.

Ein Meilenstein gelang bei einem Treffen des Ältestenrates der Maasai am 6. Februar 2019: Sie sprachen sich eindeutig für eine Änderung der Tradition und gegen eine weitere Beschneidung von Mädchen aus. Der Ältestenrat appellierte an die Bevölkerung, vor allem an die jungen Männer, die unbeschnittenen Mädchen als vollwertige Frauen anzuerkennen. Unbeschnittene Frauen oder Männer hatten nämlich keinen Status in der Bevölkerung, wurden gemieden und konnten nie irgendein Amt übernehmen. Dass dieser Beschluss möglich wurde, dafür hat Maria mit den Frauenseminaren die Basis gelegt.

Seit Ende Februar ist das Hauptgebäude an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Wie zuverlässig diese Versorgung auf Dauer sein wird, bleibt abzuwarten. Aus meiner Erfahrung fällt das Netz sehr häufig und oft längere Zeit aus. Die Photovoltaikanlagen werden daher wohl noch für viele Jahre eine wichtige Ergänzung der Stromversorgung sein.

Für unseren letzten Besuch im Health Center Anfang März konnten wir die Wiener Ärztin und Anästhesistin Dr. Susanne Simonich gewinnen. Sie schaute sich mit Dr. Isaiah die medizinische Seite des Spitals und des Operationssaales an, gab Hinweise und Hilfestellungen. Dr. Simonich kennt die Verhältnisse in einem Buschkrankenhaus sehr gut. Mit ihrer Erfahrung konnte sie auch die Apotheke und die vorhandenen Medikamente durchforsten. 

Bleibt uns an dieser Stelle noch einmal allen, die mit uns zusammenarbeiten und allen, die das Projekt „Sterntaler“ finanziell unterstützen, zu danken. So kann es uns gelingen, Daktari Maria Schiestls Weg fortzuschreiben und Entasekera in eine eigenständige Zukunft zu begleiten.

Allen Freunden und Wegbegleitern von Entasekera und Dr. Maria wünschen wir an dieser Stelle ein frohes Osterfest, Gesundheit, ein gutes Miteinander und dass der Frühling all unsere Lebenskräfte stärken möge.

Ludwig & die Sterntaler-Familie  

P.s.: Ein besonderes „Highlight“ waren die neuen Matratzen für das Trainingscenter der Frauenworkshops, die auf Initiative der MS/MMS Zell am Ziller angeschafft werden konnten. Darüber wird in den nächsten Wochen in der Zillertaler Zeitung separat berichtet.