Auf den Spuren bäuerlich-christlicher (Kapellen-) Kultur - Teil VI

Fichter Kapelle

Fichter Kapelle von innen

Alte Hoferkapelle

Alte Hofer Kapelle innen

Neue Hofer Kapelle innen

Hochenhaus Kapelle


Die Fichter Kapelle

Bei unseren Kapellenwanderungen, begonnen im März 2020, sind wir wie in Teil V erwähnt (Ausgabe Zillertaler Zeitung Nr. 24/2020), im vorderen Zillertal angelangt, wohl wissend, dass die eine oder andere Kapelle, von der wir später erfuhren, noch einer Erwähnung bedarf. Aber davon in weiteren Ausgaben. Nach dem Aufstieg zur „Margreiter Kapelle“ und deren Besichtigung auf dem Schlitterberg wechselten wir nun die Talseite, um in der Gemeinde Bruck am Ziller zur vielbesuchten „Fichter Kapelle“, besonders bekannt durch ihre interessante Bauweise,  aufzusteigen. Den Tipp, oder besser die Empfehlung, diese Kapelle in den Kapellenbericht der Zillertaler Zeitung mit aufzunehmen, erhielten wir von unserer Tochter, die seit Jahren als Dipl.-Pädagogin in Fügen wirkt und die ersten Jahre in Bruck a. Z. wohnte.

Mit unseren Bikes starteten wir in Mayrhofen/Hollenzen, stellten die Fahrräder in Bruck in der Nähe der Kirche mit der Zustimmung der Inhaberin des Gemischtwarengeschäftes ab. Mit ungewöhnlicher Freundlichkeit erhielten wir Ratschläge, wie man am einfachsten den Aufstieg zur Kapelle erreichen.

Wir überquerten die Dorfstraße von Bruck a. Z. und wanderten links in Richtung Süden des Tales leicht bergauf. Hat man die letzten Häuser passiert, führt die Route auf einem breiten Forstweg, der aufgrund der umfangreichen Beschilderung der Ausgangspunkt vieler Ziele ist. Über mehrere Kehren, manchmal recht steil ansteigend, erreichten wir die „Fiechter Kapelle“. Besonders erlebnisreich und nachhaltig empfanden wir die Ausblicke auf die gegenüberliegende Talseite mit den Kapellen „Baumannwiesköpfl und Margreit“, Fügenberg und Schlitterberg, die wir vor wenigen Tagen besuchten.

Tatsächlich erwartete uns hier am Bruckerberg eine besondere Kapelle, errichtet in einem für „uns obere Zillertaler“ ungewöhnlichen Baustil. Die Ausstattung der Kapelle mit vielen einfallsreichen Handarbeiten bestätigten die Hinweise auf die handwerkliche Kunst der betroffenen Erbauer und Ausstatter.

1926 wurde die Fichter Kapelle erbaut. Bereits vorher existierte nördlich der jetzigen eine Kapelle. Wie so oft, sind Kapellen Hinweise religiösen Ausdruckes der Dankbarkeit Genesener oder einigermaßen gesunder Heimkehrer aus den Weltkriegen, meist Betroffene jeder zweiten Generation. Als Anmerkung des Schreibers dieses Beitrages sei angeführt, dass seit der Existenz der „viel beschimpften“ Europäischen Union mit allen Vor- und Nachteilen die Staaten Europas ihre jungen Männer seit drei Generationen nicht mehr in den Krieg bzw. Tod schicken mussten. 

Georg Eberharter, Bauer beim „Fichter“ in Bruck, geboren 1855 und 1937 verstorben, kehrte aus dem Ersten Weltkrieg in seine Heimat zurück und ließ einige Jahre später aus Dankbarkeit die „neue Fichter Kapelle“, so wie sie heute noch besteht, errichten. Aufgestellt und wahrscheinlich auch geplant wurde die Kapelle vom damaligen Zimmermeister von Bruck a. Z., der im Bauwesen als großer Fachmann bekannt war, aber auch als Gönner für die Kirche in Bruck sich großes Ansehen erwarb. Den Innenraum der Kapelle gestaltete Georg Brunner, Tischlermeister in Strass i. Z. im Alter von 75 Jahren. Die Kapelle wurde von den nachfolgenden Generationen (Johann Eberharter, Sohn von Georg Eberharter und seiner Frau Viktoria sowie in der Folge von Alois Eberharter mit Gattin Hedwig und deren Kindern Gottfried und Christa gepflegt und betreut). Die Kapelle ist und war immer die Hauskapelle der Familie Eberharter, Fichter-Bauer am Bruckerberg.

Ergänzend sei noch erwähnt, dass in früherer Zeit die Bittgänge und Kreuzwege abwechselnd von der Pfarrkirche Bruck aus zur Fichter Kapelle oder zur Harter Kapelle abgehalten wurden. Der alte Kreuzweg von Bruck zur Fichter Kapelle wurde auf Eigeninitiative einiger  Bruckerer Bürger erneuert und am 13. November 2011 eingeweiht.

Die „Hochenhaus Kapelle“

und die „Hofer Kapellen“

im Ortsteil Imming

der Gemeinde Bruck am Ziller  

Bei einer Radtour nach Rattenberg wechselten wir bei der Heimfahrt vom Radweg auf die Brucker Seite, um unsere Heimat abseits der gängigen Verkehrswege noch besser kennen  zu lernen und stießen zufällig in der Gemeinde Bruck i. Z., im Ortsteil Imming, auf drei Kapellen. 

Als erste erwähnen möchte ich die „Hochenhaus Kapelle“. Die Kapelle gehört bzw. wird betreut von den Bauernfamilien Lanthaler, Hochhaus-Wurm, Moar und Wurm sowie Stolln. Aus dieser schmucken Kapelle sind 1980 sakrale Figuren gestohlen worden, die 1982 wieder schwer beschädigt auftauchten. Eine Restaurierung der teilweise arg zugerichteten  Skulpturen ist bis dato nicht erfolgt, wohl aber wurde die Kapelle von Grund auf saniert und in diesem Jahr mit neuen Schindeln eingedeckt. 

Bei der Weiterfahrt im Ortsteil Imming in Richtungt Hart stießen wir auf der rechten Seite auf die alte, sanierungsbedürftige  „Hofer Kapelle“.  Diese Kapelle steht im Besitz von sieben Bauernfamilien im Umkreis. Bei den anstehenden Verhandlungen zur Sanierung der baufälligen Kapelle konnten sich die Eigentümer nicht einigen, und so wurde die Sanierung immer wieder hinausgezogen.

„Diese sehr alte Kapelle, sie stammt vermutlich aus dem 18. Jhd. (bei einer Besichtigung durch das „Denkmalamt“ kamen 8 bis 10 Schichten Malereien zu Tage. Unter diesen Malereien versteckt würden alte Fresken auftreten. Eine gefundene Jahreszahl bei einer Übermalung stammt aus dem 19. Jahrhundert). Betreut wurde diese Kapelle in letzter Zeit immer von der Familie Rieder/Hofer. Um die Kapelle zu sanieren, hätte diese gehoben werden müssen und eine Unsumme Geld verschlungen. Dazu konnte man sich nicht durchringen. Sie steht aber noch immer an demselben Platz. 

Die „neue Hofer Kapelle“ in Imming befindet sich  im Hausfeld der Familie Rieder/Hofer und wurde von der Familie Rieder erbaut. 

Hauptbetreiber des Baues der neuen Kapelle ist Rene Rieder, der damit seiner Oma einen Herzenswunsch erfüllt hat.  Der Bau der Kapelle erfolgte 2018/2019. Sie wurde nach der Fertigstellung am 18. Mai 2019 eingeweiht. Sie ist der alten Kapelle vom Aussehen her nachempfunden, jedoch in vielen Bereichen der heutigen Zeit angepasst. Für die Malereien ist Lüftlmaler Herbert Blaas vom Außerfern – kein Unbekannter in dieser Szene – verantwortlich. Ihm wurde in der Ausführung weitgehend „freie Hand gewährt“. Für den Eingang zur Kapelle wurde eine Schiebetür vorgesehen, sodass der 18-jährige Lukas, Sohn des Hauptinitiators Rene Rieder der neuen Kapelle, diese auf Grund einer Behinderung unbeschwert und leichter aufsuchen kann. 

Anmerkung: Ein aufrichtiger Dank für die spontane Unterstützung, Informationen und Fotos ergeht an Herrn Josef Perger, Bruck a. Z., sowie an Herrn Rene Rieder. 

Andreas und Erika Gredler

CHRONIK: „Auf den Spuren bäuerlich-christlicher (Kapellen-) Kultur“ - erschienene Beiträge in der „Zillertaler Zeitung“: Teil I - Zillertaler Zeitung Nr. 17 - 2020 (23.04.2020), Teil II- Zillertaler Zeitung Nr. 20- 2020 (14.05.2020), Teil III - Zillertaler Zeitung Nr. 21 -

2020 (18.05.2020), Teil IV - Zillertaler Zeitung Nr. 23 - 2020 (04.06.2020, Teil V - Zillertaler Zeitung Nr. 24 - 2020 (11.06.2020), Teil VI - Zillertaler Zeitung Nr. 26 – 2020 (25.06.2020)