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Der Schörgen-Schuz

Mittwoch, 17. August 2022

Auf dem Wege weiter hinein ins Gerlostal kommen wir an einen steilen, brüchigen Berghang, und tief unter uns tost der Wildbach talaus. Hier heißt es beim „Schörgen-Schuz“. Über die Herkunft dieser seltsamen Ortsbezeichnung wird folgendes erzählt:

In jener Zeit, als bei uns die Sittenkommissionen ganz besonders um das seelische Wohlergehen der Zillertaler besorgt waren und strenge Aufsicht übten über das sittliche Verhalten der Leute, war auch das hierzulande bei jungen Leuten so beliebte „Fensterln“ bei strenger Strafe verboten. Aber auch damals hat es schon Burschen gegeben, bei denen die Lieb’ zum Dirndl größer war als die Furcht vor der Obrigkeit.

Da erhielt nun einmal die Behörde Kenntnis davon, dass ein junger Gerloser das Verbot mehrmals überschritten hatte und schickte daraufhin eiligst einen Schergen aus, den Missetäter zu fangen und einzuliefern. Richtig fand der geübte Häscher auch bald den Burschen, legte ihm Handfesseln an und trabte dann vor ihm her talauswärts. Der Scherge selbstbewusst und zufrieden, der Gerloser gesenkten Hauptes und betrübter Miene. Eine Zeitlang ging alles recht gut und friedlich. Da sie aber an die bezeichnete Stelle kamen, tat der Gefesselte plötzlich einen Satz nach vorne und stieß (schutzte) den Schergen über den Bergrand hinaus in den schäumenden Wildbach, der in schauriger Kluft gischtete. Und also hat jene Stelle ihren Namen erhalten.
Obl. H. v. Vilas, Hainzenberg

Aus der Sammlung „Sagen, Brauchtum & Mundart im Zillertal“ von Erich Hupfauf

Zillertaler Zeitung

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