Skitouring, Freeriden und Schneeschuhwandern boomt, der Trend zum unlimitierten Outdoorerlebnis steigt unaufhaltsam. Oft werden die Gefahren am Berg von Wintersportlern jedoch unterschätzt.
Nahezu täglich erreichen uns in den letzten Tagen Berichte von Lawinenunfällen in den Tiroler Bergen. Viele dieser Unfälle überstanden die Beteiligten ohne gröbere oder mit nicht lebensbedrohlichen Verletzungen. Gründe dafür sind einerseits effiziente Kameradenrettung durch anwesende Wintersportler, oder viel Glück, nicht lange und tief von den Schneemassen verschüttet gewesen zu sein. „Laut Statistik haben Lawinenverschüttete, die kritisch verschüttet wurden (= Kopf und Oberkörper nicht an der Schneeoberfläche sichtbar), nur etwa 10 Minuten Zeit, um von den anwesenden Bergkameraden ausgegraben zu werden und so den Unfall eventuell zu überleben“, schildert der Mayrhofner Bergrettungsobmann Andreas Eder die entscheidenden Minuten nach einem Lawinenabgang.
Trotz Warnung alpiner Vereine, dem Lawinenwarndienst des Landes Tirol, Bergführerverbänden, Bergrettungsdiensten und Behörden sind aber immer noch unzählige Menschen in den winterlichen Bergen ohne vollständige Notfallausrüstung unterwegs. Bei Alpenvereinstouren gibt es klare Regelungen: „Unsere Tourengruppen unternehmen Ski- und Schneeschuhtouren ausschließlich mit kompletter Standard-Notfallausrüstung, nämlich LVS – Gerät (Lawinen-Verschütteten-Suchgerät), Sonde, Schaufel, Telefon, Erste-Hilfe-Paket“, bestätigt Christian Steger, Obmann des Alpenverein Zillertal die Voraussetzungen für jede Tour und Abfahrt im freien Gelände.
Auch bei der – auch noch so oft unternommenen – „Standardskitour hinterm Haus“ ist die komplette Notfallausrüstung unerlässlich.
Viele private Wintersportler sind trotz Lawinenwarnungen, Werbeeinschaltungen und zahlreichen tragischen Unfallbeispielen dennoch häufig ohne der Standard-Notfallausrüstung im winterlichen alpinen Gelände unterwegs. „Wir wissen, dass etwa 8-10 Prozent der Skitourengeher, und etwa 30% der Schneeschuhwanderer ohne die entsprechende Standard-Notfallausrüstung im Winter auf Tour unterwegs sind“, so Bergführer Florian Wechselberger, der sich intensiv mit Unfallprävention, Unfallanalysen und Rettungseinsätzen beschäftigt. Lokale Bergführer und der Alpenverein bieten Kurse zum richtigen Einsatz der Standard-Notfallausrüstung. „Wir lernen unseren Gästen und Kursteilnehmern, wie man im Notfall die Standard-Notfallausrüstung effizient und schnell anwendet, so wertvolle Zeit gewinnt und Leben rettet“, fügt Wechselberger hinzu.
Täglich ab 17.00 Uhr kann man den aktuellen Lawinen Lagebericht für den nächsten Tag abrufen. Hier stehen Informationen zur Schnee- und Lawinensituation. Zu finden auf www.lawinen.report.
Prävention und besondere Aktionen zu Information und Erkennung von alpinen Gefahren ist den drei alpinen Organisationen ein besonderes Anliegen. Vor allem Alpenverein und Bergrettung setzen auf Ausbildung bereits im Jugendalter. In Jugendgruppen lernen die jungen SportlerInnen alle Disziplinen des Bergsports kennen und vertiefen sich im Winter besonders auf die Themen Tourenplanung und Durchführung, vor allem aber mit der Thematik Schnee und Lawine.
Damit das Freizeitvergnügen nicht zur Tragödie wird, rufen die Obmänner von Alpenverein, Bergrettung und Bergsportführerverband zu Vernunft und Vorsicht auf, sich nur mit entsprechender Notfallausrüstung und deren korrekter Anwendung im winterlichen Gebirge zu bewegen. „Kameradenhilfe rettet im Notfall Leben“, sind sich die Bergprofis einig.

