Zur Ruhe kommen

Bochra-See in Aschau.


„Ein See ist der schönste, ausdrucksvollste Schmuck einer Landschaft. Er ist der Erde Auge; wer hineinschaut, misst die Tiefe seines eigenen Wesens.“                               

Henry David Thoreau

Wer des Geschwätzes der Menschen überdrüssig ist, der sucht gern einsame Gegenden auf. Auch ein See ist so ein Rückzugsort. Ein See strahlt Ruhe aus. Der Aufenthalt an einem See beruhigt. In der Bibel wird das Wort „Ruhe“ als Glücksgefühl in der Nähe Gottes bezeichnet. Leider kennen wir diese „Ruhe Gottes“ nur noch aus der Begräbnisliturgie: „Herr, gib ihm die ewige Ruhe!“ Wie viele Menschen heute möchten zur Ruhe kommen und finden den Weg dazu nicht! Nicht nur diejenigen, die von einem Termin zum anderen eilen, sondern auch die unzähligen anderen, die von irgendeiner Sorge beunruhigt werden. Jesu Wort „Kommt alle zu mir, die ihr geplagt und beladen seid, ich werde auch Ruhe verschaffen“, lässt uns eine wichtige Seite unseres christlichen Lebens neu entdecken: anderen Ruhe zu geben. In einem Gespräch zwischen zwei Freunden sagte der eine zum anderen: „Bei dir habe ich das Gefühl, zur Ruhe zu kommen, bei dir komme ich vom Gas herunter.“ Wünschen wir uns gegenseitig, dass wir selbst Ruhe finden und sie anderen gewähren können! Der Mensch wird in dieser Welt immer ein Ruheloser sein. Nichts genügt ihm, was nicht Gott ist. Gott ist die Ruhe. Ruhe in der Ruhelosigkeit, Friede in der Friedlosigkeit, Annahme der eigenen Begrenzung und unaufhörliches Träumen vom Unbegrenzten: darin liegt das Wesen jener Haltung, die man christlich nennt. Die ganze Spannung zwischen Himmel und Erde ist in einem solchen Menschen zusammengefasst.          ah