Zum Gedenken an unseren verstorbenen Alt-Pfarrer und Ehrenbürger Konsistorialrat Paul Öttl


Nachruf der Marktgemeinde Zell am Ziller

 

Gott, der Herr über Leben und Tod, hat unseren geschätzten und verehrten Alt-Pfarrer, Hochwürdigen Herrn Konsistorialrat Paul Öttl, am Sonntag, den 15. November 2020, im 89. Lebensjahr stehend, in die ewige Heimat abberufen.

 

Paul Öttl wurde am 12. August 1932 in Bruneck, dem Hauptort des Südtiroler Pustertales, geboren. Im Zuge der Option erfolgte zu Beginn der 1940-er Jahre eine Übersiedelung nach Bayern und in der Folge nach Salzburg. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges kehrte der Vater - die Mutter war bereits verstorben und der älteste Sohn war gefallen - mit den zwei verbliebenen Söhnen nach Südtirol zurück. Nach dem Besuch der Pflichtschulen in seiner Heimatstadt Bruneck absolvierte der junge Paul das „Borromäum“ in Salzburg. Im Anschluß daran erfolgte das Theologiestudium, welches in Salzburg als auch in Innsbruck abgelegt wurde. Am 12. Juli 1959, also noch nicht einmal siebenundzwanzigjährig, wurde Paul Öttl im Salzburger Dom zum Priester geweiht. Bereits ein Monat später, am 21. August 1959 trat er eine vakante Kooperatorenstelle in Zell am Ziller an. Ganze 24 Jahre, einmalig in der Geschichte unserer Pfarre, sollte Kooperator Öttl dann als solcher wirken, bis er am Pfingstmontag, den 23. Mai 1983, von Generaldekan Jakob Mair im Auftrag des Salzburger Erzbischofs als Pfarrer von Zell am Ziller installiert wurde. Vergegenwärtigt man sich, dass in Zell neben dem Dekan bis herauf in die 1960-er Jahre noch drei Kooperatoren tätig waren, Paul Öttl ab den späten 1980-er Jahren die Arbeitslast, welche bekanntlich im Laufe der Jahre in jedem Beruf größer geworden ist, allein zu tragen hatte, kann ermessen werden, welche Arbeitsfülle er zu bewältigen hatte. Zell ist eine große und ausgedehnte Pfarre mit rund viereinhalbtausend Gläubigen, vier Filialkirchen und dem Altenwohnheim. Seit Anbeginn widmete sich unser geschätzter Pfarrer mit viel Hingabe, Geduld und oft auch mit Beharrlichkeit diesen immensen und vielfältigen Aufgaben. Insbesondere die alten und kranken Mitbürger erfreuten sich seiner besonderen Aufmerksamkeit, die er ihnen noch bis vor kurzer Zeit mit der Feier von Messen und Andachten im Altenwohnheim angedeihen ließ. Durch diese nimmermüde, segensreiche Arbeit in der Seelsorge, durch jene im großen Bereich der Schulen und der Jugendarbeit hat er im Laufe der vielen Jahre Großes geleistet, unendlich Gutes getan und sich unschätzbare Verdienste erworben.

 

Dass unser Herr Alt-Pfarrer aber nicht nur Seelsorger, sondern auch Baumeister war, sehen wir am besten an den von ihm betreuten Gotteshäusern, welche er - als er gegen Ende des Jahres 2001 in den Ruhestand trat - größtenteils in renovierter Form seinem Nachfolger übergeben konnte. Eine Meisterleistung war dabei die Sanierung des Thurnbacher Kirchleins, welches um 1,60 m angehoben wurde. Auch als Finanzier agierte Konsistorialrat Paul Öttl besonnen und vorausschauend, zumal die Instandhaltung und Renovierung der zur Pfarre gehörigen Gotteshäuser ohne Verschuldung der Pfarre abgewickelt werden konnte.

 

Pfarrer Öttl kann auf ein erfülltes Priesterleben zurückblicken, in dessen Mittelpunkt die Feier der Liturgie und die Verkündigung des Wortes standen, auf ein Priesterleben, welches vom ständigen Bemühen mit Interesse für die ihm Anvertrauten einzustehen, mit Fleiß und mit viel Einsatz die ihm übertragenen Aufgaben zu erfüllen, geprägt waren. Mehr als sechs Jahrzehnte war er Spender von Trost, dem es meisterhaft gelang, zu freud- als auch leidvollen Anlässen die richtigen Worte zu finden und die Gläubigen mit seinen Ausführungen zu fesseln. Als Kooperator, Pfarrer und auch als Alt-Pfarrer setzte Paul Öttl seine ganzen physischen und psychischen Kräfte dafür ein, um seinen Pfarrkindern alles zu sein: Priester, Pädagoge, Kulturbringer, Vater und Freund … Ein vormaliger Salzburger Erzbischof hat es im Rahmen einer Visitation trefflich ausgedrückt, da er als Thema der Festpredigt jenes des „Guten Hirten“ wählte und dabei meinte, mit Paul Öttl habe der Herrgott einen seiner Besten in den Zeller Weinberg gesandt.

 

Sechs Jahrzehnte sind eine lange Zeit, auf die nicht nur der Verstorbene mit Freude und Genugtuung verweisen kann. Auch die Pfarre und die ihr zugehörigen Gemeinden - von dreien (Gerlosberg, Ramsau im Zillertal und Zell am Ziller) wurde ihm in Würdigung seiner Verdienste die Ehrenbürgerschaft verliehen - können stolz auf diese fruchtbringenden Jahrzehnte, in denen uns „der Pfarrer“ in allen Lebenslagen begleitet hat, zurückblicken. Er hat gewissermaßen Freud und Leid mit seinen Pfarrangehörigen geteilt. Unzählige erfreuliche Anlässe wie Taufen, Erstkommunionen, Firmungen und Hochzeiten und anderweitige Jubiläen wurden abgewickelt. Er hat aber auch seine Pfarrkinder auf ihrem schwersten und letzten Weg, den wir alle zu beschreiten haben, begleitet.

 

Wir alle wissen, daß Paul Öttl ein Seelsorger mit vielen Facetten und ein Segen für die Pfarrgemeinde war. Als Priester, Organisationstalent und Finanzgenie war er und wird er vor allem ein Mensch mit Vorbildfunktion bleiben. Er hat es meisterhaft verstanden, die Herzen und Brieftaschen seiner Pfarrkinder zu öffnen, wenn es darum ging, die Zeller Gotteshäuser zu sanieren und für mildtätige Zwecke Spenden zu aquirieren. Die Gebefreudigkeit der Gläubigen fußt dabei auch auf den Tatsachen, dass Pfarrer Öttl selbst - auch wenn dies nicht allgemein bekannt ist - seine Vorhaben mit namhaften finanziellen Beiträgen privat unterstützt hat. Er ist nicht nur Fürsprecher gewesen, er war vor allem Freund und Ratgeber und hat mit seiner reichen Erfahrung gar manche, die den Weg zu ihm fanden, mit seinen fundierten Ratschlägen vor möglichen unüberlegten Schritten, die sich allenfalls negativ auf das weitere Leben des oder der Betroffenen ausgewirkt hätten, bewahrt.

 

Seit seiner Pensionierung im Jahre 2001 ist unser Altpfarrer und Ehrenbürger Konsistorialrat Paul Öttl für die Zeller Ortschronik tätig. Diese birgt in Buchform bislang vier von ihm verfaßte Werke und zwar „1808 bis 2008, 200 Jahre Kirchweih, Dekanatspfarrkirche St. Vitus in Zell am Ziller“, „Chronik der Wallfahrtskirche Maria Rast“, „Erinnerungen an ein erfülltes Priesterleben“ und „Seelsorgsarbeit in Ramsau“. Das fünfte Werk mit dem Titel „Erinnerungen an meine Pfarrkinder“ war ihm leider nicht mehr vergönnt, abzuschließen. Unser Alt-Pfarrer hat seit Frühjahr 2019 auf exakt 1.054 Manuskriptseiten Erinnerungen an seine Pfarrkinder niedergeschrieben, welche in der Folge mit den zugehörigen Sterbebildern versehen worden sind. Er verfügte dabei nicht nur über ein bemerkenswertes Maß an Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen, was in der Zeit von sechs Jahrzehnten (24 Jahre als Kooperator, 18 Jahre als Pfarrer und seit seiner Pensionierung im Jahre 2001 als „Pfarrer in Ruhe“ in der Gemeinde Ramsau sowie der Seelsorgsarbeit im Zeller Altenwohnheim) seelsorgerischer Tätigkeit in den Gemeinden unserer Pfarre eindrucksvoll offenbar wurde. Ihm zu Eigen waren auch Fähigkeiten, sich an Details und Ereignisse zu erinnern, welche vielfach Jahrzehnte zurückliegen. Unser Altpfarrer hat in seiner aktiven Zeit, wenn notwendig, auch den Zeigefinger erhoben und seinen Pfarrkindern recht deutlich seine Meinung gesagt. In Freud und Leid war er für mehrere Generationen von Zellern und Bürgern aus den Gemeinden seiner Pfarre ein verlässlicher Begleiter, insbesondere auf dem letzten und beschwerlichsten Weg, den wir alle zu beschreiten haben und auf den wir jetzt auch ihn geleiten, war er Halt und Stütze.

Die Menschen seiner Pfarrei haben zu ihm aufgeschaut, weil er auf ihre Bedürfnisse einging und ihnen im Leben und Glauben ein Ratgeber und Wegweiser war. Er wird sehr vielen in dankbarer Erinnerung bleiben. Vergelt’s Gott Herr Pfarrer, Du hast mit Deinem Wirken den Glauben vorgelebt und mit Deinem in Schriftform hinterlassenem Vermächtnis Daten und Fakten dem Vergessen entrissen. Mit Deinem unermüdlichen und selbstlosen Einsatz als Seelsorger hast Du Dir in Deiner Pfarrgemeinde auch ein Denkmal gesetzt.

 

Über das Grab hinaus richtet Paul Öttl eine Botschaft - entnommen dem Buch „Erinnerungen an ein erfülltes Priesterleben“ - an seine Pfarrkinder: „Am Ende meiner Erinnerungen möchte ich allen Bewohnern unserer Pfarre Zell, aber auch den Vielen im Zillertal, die ich im Laufe meines langen Hierseins kennenlernen durfte, Gottes reichsten Segen und seinen Schutz sowie seine Hilfe wünschen. Mögen Maria, die Mutter des Herrn, die wir besonders in Maria Rast und in Thurnbach verehren, unsere Pfarrpatrone, der Hl. Vitus und der Selige Engelbert Kolland, sowie der Hl. Leonhard, dessen Kirche wir mit euren großzügigen Spenden in ein schönes Gotteshaus umwandeln konnten, für euch Alle gute Fürsprecher sein, mögen unserer Heimat friedliche Zeiten erhalten bleiben und allen, die hier daheim sind, die Gaben der Zufriedenheit und des guten Miteinanders geschenkt sein. Das wünsche ich von Herzen und darum habe ich zeit meines Lebens für euch in meinen Gebeten und in der Feier der Heiligen Messe gebetet. Ich danke allen, die mir in der langen Zeit meines Hierseins ihr Vertrauen geschenkt haben. Allen, alles recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann, sagt ein altes Sprichwort. Alle die ich gekränkt habe, oder denen ich ihre Wünsche nicht erfüllen konnte oder wollte, mögen mir verzeihen, worum ich sie herzlichst bitte. Gott segne die Pfarre Zell und seine Bewohner!“

 

Unser Alt-Pfarrer und Ehrenbürger Paul Öttl ist nicht mehr, er hat uns unendlich viel gegeben und noch mehr hinterlassen, möge der Herrgott sein ewiger Lohn sein!

 

 

Nachruf der Pfarre Zell am Ziller

 

Der langjährige und geschätzte Seelsorger von Zell am Ziller, Alt-Pfarrer Paul Öttl ist am Tag des Herrn, am Sonntag, 15. November 2020 im 89. Lebensjahr und 62. Priesterjahr  versehen mit den Heiligen Sterbesakramenten zu seinem Schöpfer heimgekehrt.

 

Paul Öttl erblickte am 12. August 1932 in Bruneck in Südtirol das Licht der Welt. Die Familie lebte während des Zweiten Weltkrieges in Bayern und Salzburg. Während dieser Zeit verlor die Familie die Mutter und einen Sohn, der im Krieg umkam. Der Vater kehrte mit den beiden verbleibenden Söhnen nach dem Krieg nach Südtirol zurück, wo Paul die Pflichtschule in Brixen besuchte.

Darauf folgten die Ausbildung im „Borromäum“ in Salzburg und das Theologiestudium in Salzburg und Innsbruck. Am 12. Juli 1959 empfing der junge Priesterkandidat die Priesterweihe im Salzburger Dom und kam bereits kurz darauf als Kooperator nach Zell am Ziller, wo er knapp 24 Jahre als solcher wirkte, über 18 Jahre als Ortspfarrer und beinahe 20 Jahre als Pensionist. In den Ruhestand ging er jedoch nur als Pfarrer, nicht als Priester und so verstand er es als besonderen Dienst an der Pfarrgemeinde, dass er weiterhin jeden Tag die Heilige Messe feierte und stets der umsichtige Seelsorger blieb, der sich all jener, die seinen Beistand brauchten, annahm. Während seiner langjährigen, segensreichen Tätigkeit als Seelsorger von Zell am Ziller hat Paul Öttl beinahe 3000 Kindern das Sakrament der Heiligen Taufe gespendet, über 700 Paare getraut, mehr als 1000 Personen aus der Pfarre Zell zu Grabe getragen und bei weiteren 1000 Begräbnissen konzelebriert.

Bei seinem diamantenen Priesterjubiläum sagte Alt-Pfarrer Öttl: Das Größte, was ein Priester tun darf, ist die Heilige Messe zu feiern. Dies tat er stets mit großer Freude und Ehrfurcht bis seine Kräfte ihn verließen.

Der geschätzte Seelsorger wirkte segensreich als eifriger Religionspädagoge, als fleißiger Bauherr, dem die Erhaltung der zahlreichen Gotteshäuser ein besonderes Anliegen war, und der es verstand die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung in besonderem Maße zu wecken, als begeisternder Prediger und gewissenhafter Chronist. Sein großer Eifer bei allen Tätigkeiten und sein unermüdlicher Einsatz für die Menschen wurde auch durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft und des Ehrenringes der Marktgemeinde Zell am Ziller, sowie der Gemeinden Gerlosberg und Ramsau im Zillertal gewürdigt. Darüber hinaus wurde er ausgezeichnet mit  der Verdienstmedaille des Landes Tirol.

Ein besonderes Charisma, welches sich nach seiner Pensionierung noch vertiefte, war seine Hingabe in der Betreuung alter und kranker Menschen, besonders der Bewohner des Wohn- und Pflegeheimes Zell am Ziller, wo er so lange es sein Gesundheitszustand zuließ, täglich die Heilige Messe zelebrierte, den Rosenkranz betete und den Bewohnern als Seelsorger zur Seite stand.

Nun hat Gott, der Herr über Leben und Tod seinen Diener nach einem erfüllten Priesterleben in die ewige Heimat abberufen.

Unser lieber Alt-Pfarrer begleitete mehrere Generationen von Gläubigen auf ihrem Lebensweg und die Herzen vieler Menschen in unserer Pfarre werden in diesen Tagen erfüllt sein von tiefer Dankbarkeit für sein Wirken.

 

Herr, gib ihm die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm. Herr, lass ihn ruhen in Frieden. Amen.

 

Dekan Ignaz Steinwender,

Pfarre Zell am Ziller