Weihnachten ohne Streit

Foto: Heli Hinkel

Während der Weihnachtsfeiertage nehmen wir uns Zeit für unsere Lieben. Die Geburt Christi lässt uns daran erinnern, wie friedliches Zusammensein gelingen könnte. Umso mehr verzweifeln wir, wenn Reibereien bis hin zu schmerzhaften Streitereien den Weihnachtsfrieden überschatten. Diese können schlimmstenfalls bis zu Gericht führen. Das eine oder andere Gläschen Wein trägt seines dazu bei. Es gibt Möglichkeiten auch in dieser Hinsicht die Festtage mitzugestalten.

In den Feiertagen kommen oft Konflikte ans Tageslicht, die sich über die Zeit still und heimlich ins Leben geschlichen haben. Neujahrvorsätze und ein Ausblick aufs kommende Jahr verstärken diese Empfindung. Aus meiner beruflichen Tätigkeit weiß ich, wie entscheidend das intensive Gespräch an der Auflösung von zwischenmenschlichen Spannungen beitragen kann. Der Ausgangspunkt kann in einem Missverständnis liegen, unglücklichen Lebensumständen, vorübergehenden Belastungen, Selbstzweifel oder Rollenaufteilungen über die niemals gesprochen wurde. Das Leben geht weiter, die Kränkung bleibt. Sprechen wir die Kränkung nicht an, berauben wir uns der Möglichkeit das Vorgefallene aufzulösen. Ohne das Gespräch kann schwer aufeinander zugegangen werden.

Ich kann in meiner beruflichen Tätigkeit beobachten, wie der eine nicht mehr dazu bereit ist sich mitzuteilen und der andere verlernt hat zuzuhören. Der Prozess des Zuhörens ist nicht zu unterschätzen. Die Kommunikation innerhalb der Familie ist ein besonders zerbrechliches Gebilde. Beispielsweise ist es ratsam in „ich-Botschaften“ zu sprechen. NICHT: „Du hast schon lange nicht mehr den Müll runtergetragen.“ BESSER: „Mir kommt vor, du hast schon lange nicht mehr den Müll runtergetragen.“ Auf Übertreibungen soll unbedingt verzichtet werden. Der Gesprächsinhalt soll sich auf die Gestaltung der Zukunft konzentrieren. Auf Vorwürfen aus der Vergangenheit kann nichts Neues entstehen. Bemühen wir uns, dem anderen nicht im Impuls die angestauten Kränkungen des letzten Jahres an den Kopf zu werfen. Scheitert das Gespräch, geben wir diese Sprachlosigkeit auch den Kindern mit.

Erfahrungsgemäß rate ich zur Anteilnahme am Alltag des anderen. Mag es um Fragen der Kindererziehung, der Finanzierung des täglichen Lebens oder berufliche Reibereien gehen. Das Gesetz nennt es eheliche Beistandspflicht. Es überrascht mich immer wieder, wie wenig der eine Partner von den Realitäten des anderen Partners weiß. Die finanzielle Realität (etwa Höhe der monatlichen Betriebskosten, Versicherungsprämien, Kreditraten, etc.) ist ein griffiges Beispiel hierfür. Die jeweiligen Realitäten des anderen sind ein weites Feld. Es zahlt sich aus, sie zu erforschen. Achten wir auf eine sorgsame Kommunikation, können wir den Streit unterm Christbaum eventuell vermeiden.