Tourismus im Wandel der Zeit

Allmählich überflügelte der Wintertourismus den Sommertourismus.

Das Zillertal punktete in den 1950er-Jahren u. a. mit landschaftlichen Reizen, wie etwa das idyllische Fleckchen Lanersbach im Tuxertal.

Die 2017 neu errichtete Bergstation der Spieljochbahn.


Eine explosionsartige Entwicklung des Fremdenverkehrs in Österreich setzte ab 1955 ein: Immer breitere Bevölkerungsschichten begannen zumindest einmal jährlich auf Urlaub zu fahren. Ausschlaggebend für diese Entwicklung waren besonders folgende Faktoren:

- Die Freizeit wurde stark vermehrt (Jahresurlaub von zwei auf fünf Wochen, Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit von ca. 50 auf 40 Stunden oder darunter).

- Verbesserung der Verkehrsmittel und des Verkehrsnetzes: die Anzahl der Privat-PKW stieg gewaltig; Autobahnen machten den Straßenverkehr sicherer und schneller; durch die Einführung von Charterflügen wurden Flugreisen verbilligt.

- Die verwaltungsmäßigen Reisebeschränkungen wurden gelockert: Abschaffung der Visumspflicht in vielen Staaten; Vereinheitlichung von Kfz-Papieren und Versicherungsbedingungen erleichterte den grenzüberschreitenden Verkehr.

- Mit all diesen Veränderungen ging auch eine Änderung der Bedürfnisse der Bevölkerung Mittel- und Westeuropas einher: Verstädterung, höherer Leistungsdruck in der Arbeitswelt, sich verschlechternde Umweltbedingungen u.a. erzwingen geradezu das Aufsuchen von Fremdenverkehrsorten mit heiler Umwelt, in denen eine entsprechende Erholung zu erwarten ist.

Eine der Haupttriebfedern für die Entwicklung des Dorfes Fügen war der Fremdenverkehr.

Erst anfangs der Fünfzigerjahre begann sich der Sommerfremdenverkehr allmählich zu entwickeln. Vom Österreichischen Gewerkschaftsbund wurden Erholungsaufenthalte für Arbeiterfamilien aus Ostösterreich, das zur russischen Besatzungszone gehörte, organisiert. Aber bereits 1950 kamen die ersten ausländischen Fremdengäste nach Fügen.

Italiener, Engländer, Skandinavier und Holländer bestimmten damals den Fremdenverkehr in der sehr kurzen Sommersaison. Erst ab etwa

1955 kamen dann auch Gäste aus der Bundesrepublik Deutschland, vor allem aus dem Saarland. Der Winterfremdenverkehr spielte damals in Fügen noch keine Rolle. So hatte Fügen im Dezember 1953 beispielsweise nur 3 (!) Fremdennächtigungen aufzuweisen. Mayrhofen im Vergleich dazu immerhin schon 2.168. Etwas besser sah die Situation im Sommer aus. Im Juli 1954 konnte Fügen immerhin 4.663 Nächtigungen verbuchen, Mayrhofen vergleichsweise allerdings schon 62.093. Mit der Errichtung eines Schigebietes am Spieljoch 1973/74 ging es auch mit den Nächtigungsziffern im Winter steil bergauf. Im Winter 1987/88 übertraf die Winternächtigungszahl erstmals jene des Sommers. Somit hat sich der Fremdenverkehr in Fügen seit 1945 zum wichtigsten Wirtschaftszweig entwickelt.

Wie sehr das Zillertal, Tirol und Österreich vom Tourismus abhängig ist, wissen wir spätestens seit Mitte März 2020. Ein kleines, unsichtbares Virus namens Corona legte den Tourismus weltweit lahm. Der Schock sitzt noch immer tief. Nun soll es aber langsam wieder bergauf gehen. Es wird ein steiniger Weg werden - hin zur neuen Normalität.

Wann es wieder zu einer

Normalität kommen wird, hängt mit hoher Wahrscheinlich-keit davon ab, ob und wann es einen Impfstoff gibt.                    ah