Stillstand im Tourismus

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Es war ein unvorstellbarer Paukenschlag, der nicht nur den gesamten Zillertaler Tourismus, sondern unsere komplette Wirtschaft vor ca. drei Wochen wie aus dem Nichts traf. Von einem Tag auf den anderen stand alles still. Alle großen Events zum Ende der Wintersaison wie Snowbombing, Alpicon, Altitude,  Seilrennen, div. Konzerte wie die DJ Ötzi-Tour usw. mussten mitten in den Vorbereitungen abgesagt werden. Alle Tourismus- und Beherbergungsbetriebe stehen still, sind geschlossen. Was passiert jetzt? 

Wie reagieren die Tourismusverbände? Was macht der TVB Mayr-hofen in dieser Ausnahmesituation? Wird hinter verschlossenen Türen weitergearbeitet?

Andreas Lackner, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mayrhofen, gibt uns einen Einblick über die aktuelle Situation:

ZZ: Die Straßen sind leergefegt, Quarantäne, Hotels und Restaurants geschlossen, was passiert jetzt hinter den Kulissen des Tourismusverbandes Mayrhofen?

Andreas Lackner:

Zunächst will ich festhalten: das ist für uns wie für die gesamte Bevölkerung eine neue Situation, die natürlich mit Herausforderungen verbunden ist. Gerade in den vergangenen beiden Wochen hatten wir sehr intensiven Kontakt mit unseren Gästen, um die nötigen Informationen zu transportieren, die Abreisen abzuwickeln und die Absagen der Veranstaltungen zu organisieren. Es war stets unsere oberste Devise gegen die Ausbreitung der Krankheit mitzuwirken und für die Gesundheit unserer Mitmenschen und Besucher zu sorgen. Dazu ein besonderes Lob an unsere Mitglieder, die wirklich zu jeder Zeit professionell und umsichtig agiert haben. Das verdient unseren vollsten Respekt! Nun aber zum TVB selbst: Natürlich haben wir auch, wie jeder andere Betrieb, mit denselben Fragen von Finanzen, Mitarbeiterlösungen und den zukünftigen Aktivitäten zu tun. Da wir hier nicht einfach so Alleingänge machen können, finden dazu sehr intensive Abstimmungen mit anderen TVBs in Tirol und vor allem der Landesregierung statt. Viele unserer Veranstaltungen wurden abgesagt oder verschoben. Gleichzeitig stehen viele Themen auf dem Prüfstand oder müssen verändert werden. Jede Änderung oder Absage hat Konsequenzen, die genau durchgearbeitet und entsprechend kommuniziert werden müssen. Inhalte in unseren Medien müssen angepasst oder komplett neu aufgesetzt werden. In Zeiten, in denen sich von einem Tag auf den anderen alles ändert, wird einem erst bewusst, wieviele Informationen miteinander zusammenhängen und welche Auswirkungen Änderungen auf unsere Arbeit haben. An nur einer einzigen Veranstaltungsabsage hängen viele beteiligte Unternehmen und Personen, mit denen kommuniziert und Lösungen gefunden werden müssen. Und es hängt auch unser Budget daran, dass dabei auch geschont werden muss. Es gibt also in der Krise derzeit noch viel aufzuarbeiten.

Gott sei Dank sind wir technisch so aufgestellt, dass wir jederzeit von zu Hause aus weiterarbeiten können. Als die Ausgangsbeschränkungen der Bundesregierung verkündet wurden, haben wir in kurzer Zeit die Nebenstellen der Telefone mit Handys gekoppelt. Der Großteil der MitarbeiterInnen verfügt über mobile Rechner, die über eine gesicherte Verbindung vollen Zugriff auf alle Daten in unserem externen Rechenzentrum ermöglichen. Wir sind also seit 16.3. ohne Unterbrechung wie gewohnt telefonisch und per Mail erreichbar und mein Team kann von zu Hause aus arbeiten. Unsere Besprechungen haben wir in der Zwischenzeit auf Telefon- und Videokonferenzen umgestellt.

ZZ: Der Corona-Virus wird uns zwar noch lange beschäftigen, jedoch werden wir diese Krise, wenn auch mit vielen schmerzhaften Eingriffen, irgendwann überwinden. Wie wird der Tourismus im Zillertal nach COVID 19 ausschauen? Wie ist deine Einschätzung?

Andreas Lackner: ……..

Ich denke, dass es jetzt der falsche Zeitpunkt ist, darüber zu spekulieren. Persönlich gehe ich davon aus, dass sich die Interpretation von „Wichtig“ und „Unwichtig“ in der Gesellschaft verändern wird. Veränderung gehört seit Jahrzehnten zum Tourismus und gerade die ZillertalerInnen haben sich seit jeher auf Veränderungen immer sehr gut eingestellt und angepasst. Das wird auch nach Corona so sein und ich bin überzeugt, dass diese derzeitige Entschleunigung die Kreativität der ZillertalerInnen anspornen wird. Die Landschaft, die Natur, die Kultur, die Menschen, die Infrastrukturen sind auch nach Corona da. Wie diese Werte in Zukunft gelebt werden, muss jetzt noch nicht spekuliert werden. Jetzt ist es wichtig, die Gesundheit zu wahren und die aktuelle Situation organisatorisch sauber aufzuarbeiten. Als Tourismusverband arbeiten wir jedenfalls daran, dass wir für die Zeit nach Corona die Angebote und Services unserer Mitglieder weiterhin in bester Qualität an Gäste und Einheimische kommunizieren können. Auch die Arbeit an unseren Infrastrukturen, Wegen, Klettersteigen, Brücken, Rastplätzen, usw. wird nicht einschlafen, nur weil wir sie jetzt mal aussetzen müssen. Wir werden ebenso unter neuen Rahmenbedingungen unseren Beitrag für eine gute Aufenthaltsqualität leisten.

ZZ: Was liegt dir am Herzen?

Andreas Lackner: 

Zu allererst möchte ich mich bei all unseren MitarbeiterInnen bedanken. Die letzten Wochen waren aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse unglaublich kräftezehrend. Auch jetzt ist es noch ungewiss, wie lange die aktuelle Situation andauert und wie wir da wieder gut rauskommen. Danke an alle für die Energie und den Einsatz. Ebenso bedanke ich mich auch bei meinem Vorstand. Die sich überschlagenden Ereignisse waren auch für die Entscheidungsträger nicht einfach, die neben den Entscheidungen in ihren eigenen Betrieben auch Tag und Nacht für den TVB Ansprechpartner waren und immer noch sind. 

Der Dank gilt auch unseren Mitgliedern. Gerade die Stornosituationen waren und sind für viele extreme Herausforderungen. Nicht nur finanzieller Art, sondern auch kommunikativer und persönlicher Art. Die Kulanz, die hier unsere Betriebe an den Tag gelegt haben ist schon bemerkenswert.

Persönlich berührt mich der plötzliche Tod von Hansjörg Schneeberger. Diese überraschende Nachricht hat uns alle sehr erschüttert und ich möchte an dieser Stelle der Familie Schneeberger unser aller Mitgefühl ausdrücken!