Offener Brief


Erholungs- und Gesundheitsverordnung in Mayrhofen:    

Ein echter Schritt in die richtige Richtung - Nachschärfungen aber unbedingt notwendig

Der Mayrhofner Gemeinderat beschloss in seiner Sitzung vom 9. September einstimmig eine „Erholungs- und Gesundheitsverordnung“. Die Verordnung beinhaltet ein rund um die Uhr Alkoholkonsum-Verbot auf öffentlichen Plätzen, Straßen und Wegen in vier ausgewiesenen Zonen im Ort. Zusätzlich wurde für diese Zonen im Sommer ab 24.00 Uhr und im Winter ab 23.00 Uhr bis jeweils 6.00 Uhr ein Verabreichungs- und Ausschankverbot - genehmigte Veranstaltungen sind davon ausgenommen - beschlossen. Das dritte Verbot der Verordnung betrifft das Gehen mit Skischuhen und das Tragen von Ski, Skistöcken und Snowboards vom 1. Dezember bis 15. April in der Zeit zwischen 18.00 und 6.00 Uhr im Zentrum. Als Initiator der Petition „Sicheres Mayrhofen“ erlaube ich mir hierzu einige Anmerkungen zu machen:

Das Alkoholkonsum-Verbot auf öffentlichen Plätzen, Straßen und Wegen in den vier ortsbekannten „Hot-Spot-Zonen“ ist dringend an der Zeit und sehr zu begrüßen. Wir Mayrhofner haben in der Vergangenheit nur allzu oft erlebt, welche Folgen diese teilweise ausgearteten Alkoholpartys im öffentlichen Raum mit sich gebracht haben. Unzumutbare Lärmbelästigungen, Vandalismus und ein subjektives Unsicherheitsgefühl waren allgegenwärtig. Mit diesem Verbot haben wir nun ein probates Mittel, um diese Exzesse einzudämmen und die Bevölkerung zu entlasten - vor allem während der Wintersaison. Ich möchte daher dem Mayrhofner Gemeinderat zu seinem einstimmig gefassten Beschluss und seiner Entschlossenheit, beim Thema Sicherheit Nägel mit Köpfen zu machen, gratulieren. Es freut mich natürlich auch besonders, dass die zahlreichen Stimmen aus der Bevölkerung gehört, sowie die Unterschriften unserer Petition und die zahlreichen Diskussionen im Ort, im Gemeinderat gefruchtet haben.

Die vom Gemeinderat beschlossene Verordnung beinhaltet auch ein Verbot über das Gehen mit Skischuhen und das Tragen von Ski, Skistöcken und Snowboards im Ortszentrum. Dieses Verbot soll laut Beschluss des Gemeinderates bereits um 18.00 Uhr in Kraft treten. Auch diese Maßnahme ist prinzipiell sehr zu begrüßen. Ich appelliere aber schon in Bezug auf die zeitliche Ausgestaltung darauf, dies mit Hausverstand festzulegen und auf die Praxistauglichkeit bedacht zu nehmen. Ein Skischuhverbot ab 18.00 Uhr wird mit den gegebenen Realitäten im Ort nur schwer vereinbar sein. 

Man denke nur daran, dass viele Mayrhofner Gäste auch außerhalb des Ortes Skigebiete besuchen. Eine Rückkehr nach Mayrhofen bis 18.00 Uhr ist dann für viele kaum bewerkstelligbar. Vor allem wenn man berücksichtigt, dass womöglich auch die Skiausrüstung noch zurückgegeben werden muss. 

Gerade in Zeiten von COVID19 sollte grundsätzlich versucht werden, Menschenansammlungen zu vermeiden. Durch derart knappe zeitliche Regelungen wird aber gerade eine solche „Rush Hour“ in den öffentlichen Verkehrsmitteln, vor Skiverleihgeschäften und im Ort insgesamt produziert.

Hier lautet mein Appell: Frequenzen entflechten, Verbotszeiten etwas nach hinten verlegen und ein verstärktes Augenmerk auf die praktische Umsetzbarkeit legen.

Ein Skischuhverbot ab 20.00 Uhr trifft das gemeinsame Ziel genauso und vermeidet unnötige Komplikation und Menschenansammlungen im täglichen Ablauf.

Wie so oft ist es auch hier ratsam, die Bedürfnisse aller Beteiligten ernst zu nehmen, gegenseitiges Verständnis aufbringen und schon erzielte Einigungen unter allen Betroffenen auch einzuhalten. Es wäre schade, wenn diese an sich wirklich treffenden und zukunftsweisenden Maßnahmen für den Mayrhofner Tourismus aufgrund mangelnder Praxistauglichkeit letztlich womöglich sogar das Gegenteil vom gemeinsamen Ziel bewirken.

Es geht darum, Vorreiter für verträglichen Tourismus zu werden. Mehr Verständnis und Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der heimischen Bevölkerung zu leben und letztlich auch eine reibungslose Umsetzung dieser mutigen und wichtigen Maßnahme auch zu garantieren.

Peter Stöckl, Mayrhofen