Das Verbrechen tobte auch im Zillertal


Das gerne gezeichnete Wunschbild einer „heilen Welt“ im alten Tirol erhält durch das neue Buch des Historikers Peter Rohregger eine große Schramme. 

Denn der Inhalt zeigt, dass auch im überaus frommen Tirol das Böse einen sehr fruchtbaren Boden fand. Spektakuläre Kriminalfälle, wie das diabolische Unterfangen zweier Giftmischerinnen im Pitztal (1885), der vierfache Meuchelmord in Stumm (1889), die Freveltaten des „Frauenschlitzers“ von Amras (1894) oder die tödliche Messerattacke auf den Tiroler Landesrat Wilhelm Rutthofer durch dessen untreue Gattin (1906), fanden mediale Beachtung noch weit über die Grenzen der Monarchie hinaus.

Der Autor begab sich auf die archivarische Spurensuche bis weit ins 19. Jahrhundert zurück und konnte so zahlreiche aufsehenerregende Verbrechen dem geschichtlichen Vergessen entreißen.

Mit seinem Sachbuch „Mord und Totschlag im alten Tirol (1819 - 1919) öffnet Peter Rohregger die Tür in jene Zeit, als die Kirche besonders hierzulande sehr gebieterisch über die Tugend der Menschen wachte. Man möchte glauben, dass die religiöse Durchdringung der Gesellschaft im „heiligen Land Tirol“ einen sicheren Schutz gegen das Aufkeimen kriminellen Verhaltens bot. Doch weit gefehlt. In jenen Jahrzehnten, als Kaiser Franz Josef I. auch der Übervater der biederen Tiroler war, hatten die hiesige Justiz und die ihr zuarbeitende Gendarmerie reichlich zu tun. Auch in unserer Gegend, wie der Radfelder Historiker an diversen Schand- und Bluttaten zeigt, die etwa in Lanersbach, Finkenberg, Gerlos, Distelberg, Stumm, Uderns und Strass verübt wurden. 

Die Inhalte dieses Buches vermitteln auch Elemente der Mentalitäts- und Sozialgeschichte, wenn etwa am Beispiel der Sensationsgier anlässlich der letzten öffentlichen Hinrichtung in Tirol am 14. Dezember 1861 offensichtlich wird, dass eine Volksfeststimmung auch im Anblick eines Galgens aufbranden kann. 

Peter Rohregger: „Mord und Totschlag im alten Tirol (1819-1919)“

Broschur, 340 Seiten, EUR 20,90

BoD – Books on Demand, ISBN 978-3-7528-2494-0