Ausschreitungen beim Stefaniritt in Tux


In den Chroniken unserer Zillertaler Gemeinden schlummern zahlreiche „Schätze“ an Geschichten, Episoden und Erzählungen. Einige davon haben wir für die Leser der „Zillertaler Zeitung“ heben können. Den Anfang macht diesmal ein Auszug aus der Tuxer Chronik. Berichtet wird über den Brauch des „Stefaniritts“ mit all seinen Randerscheinungen, Ausschreitungen und Verboten.Gute Unterhaltung!

Schon von alters her war es üblich, dass die Pferde, die hier in Tux gehalten wurden, am Stefanitag zum Ausreiten hergenommen wurden. Dieser Brauch dürfte auf den uralten heidnischen Sonnenwenderitt zurückzuführen sein. Die Pferde wurden schon Tage vorher schön sauber geputzt und es wurde viel Schmuck gekauft, so wie bunte Papierbänder und verschiedenes mehr, dass sie am Ausrittstag schön und auffallend wirkten. Die Arbeit, die das Schmücken der Pferde erforderte, wurde von Seiten der Geistlichkeit immer gerügt, weil die Knechte die hl. Weihnachtsfeiertage dazu verwendeten, ihre Schmückarbeiten zu machen. So wurde im Jahre 1828 anbefohlen, dass der Stefaniritt nicht am Stefanitag, also den zweiten Weihnachtsfeiertag, sondern am darauffolgenden Werktag, den Johannistag stattfinden sollte.

Über den Stefaniritt wird folgendes berichtet. Die schön sauber aufgeputzten Pferde wurden ohne Sattel mit verhängten Zügel geritten und so musste der jeweilige Reiter die schnellste Zeit erreiten. Dabei wurde vom Festkomitee noch festgestellt, welches Pferd am schönsten geschmückt ist. Das Reiten erfolgte nach dem feiertäglichen Gottesdienst und dauerte bis spät am Abend. Dabei wurden hohe Wetten abgeschlossen und so manches Bäuerlein verlor sehr viel Geld und noch mehr Schnaps, den der jeweilige Wettverlierer bezahlen musste. So kam es, dass nicht nur große Verluste, sondern auch Meinungsverschiedenheiten und Streit daraus folgte, was meistens mit einer saftigen Rauferei bei einem Wirt zur Folge hatte, woraus wiederum des Öfteren sehr schwere körperliche Beschädigungen entstanden. Aber auch beim Ritt selbst passierte oft mancher Unfall. Man muss bedenken, dass ganz selten geübte Reiter unter den Bauernburschen waren. So gab es Arm- und Beinbrüche und auch andere Verletzungen. Auch artete die ganze Gaudi des Öfteren in große Saufgelagen aus, was wieder zur Folge hatte, dass die Burschen in ihren besoffenen Zuständen nicht mehr wussten, was sie taten und sich teils auch sittlich nicht mehr zurechtfanden.

So wurde von der Behörde und Gemeinde ein Erlass herausgegeben worin besagt wurde, dass der Stefaniritt wegen seiner vielen Unfälle und wegen dem sittlichen Ausschreiten der Beteiligten von nun an unterbleiben müsse. Einige alte Verfechter des Stefanirittes rissen die öffentlichen Kundmachungen von der Anschlagtafel und ersetzten das Verbot mit einem Schmäh- sowie Spottplakat gegen den Pfarrer und die Gemeinde.

Die Missetäter wurden ausgeforscht und mussten eine empfindliche Strafe einstecken, sie wurden in das Gericht nach Zell am Ziller gebracht und dort selbst eingesperrt.
Die Bauern mussten versprechen die Pferde nicht mehr für den Ritt herzuleichen, was auch ein Jahr lang gehalten wurde. Außerdem wurde der Stefaniritt auch wegen des Neuauftreten des Veitstanzes strengstens verboten.

Aus der Tuxer Chronik