Die Kartner vom Schiedhof


Ein Stückl weiter drinnen in der Gerlos, wenn wir auch nicht ins Pinzgauische hinüber wollen, aber aufs Joch hinauf steigen wir doch und halten kurze Umschau. Dort finden wir nämlich eine ganz ähnliche Sage wie „Der betrogene Teufel“ (Zillertaler Zeitung – Ausgabe Nr. 09 – 2018).

Ja, ja, werdet ihr euch denken, vorwitzige Leute gibt`s eben überall, und der Teufel ist immer bald zur Stelle. Seht, dort drüben liegt eine wunderschöne Alm mit grünen fetten Wiesen und zahlreichen Kühlein drauf. Es ist der „Schiedhof“, auf dem einmal drei junge, übermütige Almer gewesen sind einen Sommer lang. Alle Dummheiten haben sie im Kopf gehabt, und so ist es kein Wunder, dass sie es immer weiter getrieben haben, bis sie bald noch der Teufel geholt hätte zuguterletzt.

Hocken sie da einmal spät in der Nacht noch bei den vermaledeiten Karten, bieten Trumpf und hauen auf den Tisch, dass bald die Platte springt, gießen Branntwein in die Gurgeln und gröhlen dazu wie die Närrischen. „Iatz spielen wir um an Sack voll Geld!“, ruft plötzlich einer der drei. „Woher nehmen und nit stehlen?“, lachen ihn die anderen aus. „Mir gleich, woher es kimmt, und wenn es der Teufel selber bringen muaß!“, trotzt der auf und weiß selber nicht, was er sagt. 

Da aber hören sie schon einen Surm in der Luft, und gleich darauf fährt der Höllische durch den Kamin herunter und wirft einen schweren Sack voll Geld auf den Boden. „Wünsch guten Abend“, lacht er höhnisch. „Aufgespielt jetzt. Euer zwei mögen den Geldsack teilen, der dritte aber gehört mir!“

Die drei Senner waren ganz mäuslstill geworden und hätten den schwarzen Besucher am liebsten wieder draußen gehabt. Aber da war nun nichts mehr zu machen. Sie mussten spielen, und wer unterlag, der sollte dem Teufel gehören. Der zuerst am lautesten gewesen war, der hatte nun am meisten Angst, ihn könnte es treffen. Und wirklich, als sich das Spiel seinem Ende zuneigte, sah man deutlich, dass er das Opfer werden musste. Der Teufel grinste und rieb sich die Hände. Aber er freute sich wohl ein bissl zu früh auf die Seele. Einem von den Sennern kam nämlich ein rettender Gedanke. „Weißt was, Teufel“, sagte er mit gut verstelltem Gesicht, „mir sind heut schon soviel müd vom Kartenspielen. Bleib du bei uns über Nacht, und morgen spielen wir es nacher aus“. Dem Teufel war`s recht so. Er legte sich aufs Ohr und schlief. Als sie ihn schnarchen hörten, da sprang der gescheite Senner hinaus nach Gerlos um den Pfarrer. „Bitt enk gar schön, Hochwürden“, bettelte er, „kemmt mit mir und helft uns vor dem Teufl!“ Und der Pfarrer ging mit. Als er die Hütte betrat, gab es dem Teufel einen Riss. 

 

Der Geistliche aber streckte ihm das geweihte Kreuz entgegen, das er sich eigens zu diesem Zwecke mitgenommen hatte. Da brüllte der Schwarze wild auf und fuhr wieder zum Schornstein hinaus. Den Sack hatte er in der Eile vergessen. Als ihn der Pfarrherr jedoch öffnete, war lauter Mist darin. „Ein zweites Mal geh ich euch nicht mehr herein“, warnte er die Almer noch vor dem Weggehen. „Wer den Teufel ruft, der soll ihn auch haben!“ Aber die Almer haben sich`s gut gemerkt, die Karten verbrannt und den Teufel in der Hölle sein lassen.                 

V.-Sch. Gerlos