Es war einmal...

Erste Sprunganlage im Greidererfeld.


Einige Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, zum Beispiel die Gründung des Wintersportvereines Zell am Ziller im Jahr 1923, erster Obmann Dr. Gustini, Direktor der Zillertalbahn. Damit wurde der Grundstein für die internationalen Skirennen gelegt!

Als der „Skilauf“ im Zillertal noch mehr oder weniger in den Kinderschuhen steckte, war Skifahren auf dem Hausberg von  Zell  auf  dem Gerlosstein schon ein beliebtes Ski-Eldorado. In den „Dreißiger Jahren“, also vor dem Zweiten Weltkrieg, wurde  in diesem Gebiet schon SkigeSkichte geschrieben. 

Ein nordisch alpiner Skiwettbewerb wurde ins Leben gerufen, den heute niemand mehr kennt. Eine Viererkombination wurde ausgetragen - Abfahrtslauf, Torlauf, Springen und Langlauf. Dieser Bewerb wurde von einem Wiener Arzt und Stammgast in Gerlos, ein Freund und Förderer des Skisports ins Leben gerufen. Er stiftete einen großen Pokal, einen Wanderpokal, der dem jeweiligen Sieger verliehen wurde. Sollte es einem Sportler gelingen, dreimal als Sieger aus diesem Bewerb hervorzugehen, so hatte er diese Trophäe endgültig gewonnen. 

Gottfried Herramhof, ein gebürtiger Zeller und erster Skischulleiter in Gerlos, ist dieses  Meisterstück gelungen. Nach dem Krieg und seiner Übersiedlung nach St. Ulrich am Pillersee, obwohl eigentlich von Beruf Bauer und Gastwirt, hat er auf Grund seiner Ausbildung die erste Skischule im Pillerseetal gegründet. Anlässlich der Jubiläumsfeier „Sechzig Jahre WSV-Zell am Ziller“ war er unter Mitnahme dieses Pokals als Ehrengast geladen. Der Pokal steht heute noch im Haus seiner Tochter in St. Adolari am Pillersee.

Mit dem Bau der Gerlossteinbahn, eröffnet am 30. Juni 1960, und der Errichtung des „Arbesserliftes“ wurde eine Abfahrtsstecke gebaut. Die Abfahrtsstrecke vom Arbesser, Gerlosstein und über die Dörflfelder bis zum Ziel Talstation wurde von der Fis homologiert und in den Kataster Abfahrtsstrecken aufgenommen. Bis zum Jahr 1975 wurden vom ÖSV einige Fis-A und B- Rennen durchgeführt. Die Fis-A Läufe waren die Vorgänger der heutigen Weltcup Rennen.  Es trafen sich die besten Skiläufer der Welt und somit ist das Zeller Skigebiet ein Mittelpunkt im Tiroler Wintersportgeschehen  geworden. Bekannte Skigrößen der damaligen Zeit: J. Rieder, T. Sailer, K. Schranz, G. Nenning, A. Molterer,  H. Leitner (Ö), Roger Staub, Willi Forer (CH), Hanspeter Lanig, Sepp Peer (D), Charles Boson und Guy Perillat (F), um nur einige zu nennen. Um Fis-Punkte zu sammeln waren auch Nachwuchsläufer aus Zell am Ziller am Start. Hans Strasser, Klaus Dengg und Thomas Hauser starteten, um in den Nationalkader aufgenommen zu werden. 

SkigeSkichte geschrieben haben auch die Geschwister Hauser (Riki, Gabi und Thomas) im A-Kader und im B-Kader Hans Strasser und Klaus Dengg. Für das erste große Rennen durften die Lokalhelden  Hans Pendl und Hans Langesee als Vorläufer fungieren.

Ing. Sepp Mühlböck, Betriebsleiter dieser Bahn, hat es immer wieder verstanden, neben diesen großen Abfahrtsrennen weitere Sportveranstaltungen in unser Skigebiet zu bringen. Landes- und Bundes-Meisterschaften  des Skibob Verbandes  wurden in diesem Gebiet ausgetragen. Der „Skibobclub Zillertal“ mit Sitz in Zell hatte in dieser Sportart Großartiges vorzuweisen: Hias Geisler wurde bei  der Weltmeisterschaft in Chamonix Jugend-Weltmeister und Sepp Neuhauser bei den Junioren Vizeweltmeister. Zell war zu der Zeit die Hochburg in dieser Sportart im Zillertal.

Neben vielen Betriebs-Rennen brachte Sepp Mühlböck auch Versehrten-Skirennen, um die Landes-Meisterschaft auszutragen.

Im Winter 1975 ging dann die große Ära des WSV-Zell auf diesem Gebiet zu Ende. Anlässlich der „Junioren-Europa-Meisterschaften“ verunglückte ein finnischer Nachwuchsläufer tödlich. Widrige Pistenverhältnisse  zwangen die Rennleitung, das Ziel circa vierhundert Meter nach oben zu verlegen. Die Order lautete: Alle Läufer müssen nach dem Ziel nach rechts abschwingen. Dieser Unglückliche schwang aus unerklärlichen Gründen nach links und stürzte in den nahe liegenden Wald, wo er sich die tödlichen Verletzungen zuzog.

Für eine Fortführung dieser großen Rennen wurden die Sicherheitsvorkehrungen  von der FIS so drastisch verschärft, dass es für einen kleinen Verein wie den WSV-Zell nicht mehr möglich gewesen war, diese Auflagen finanziell  zu tragen. Somit ging die große Ära in diesem herrlichen Skigebiet, von vielen nationalen und internationalen Skigrößen als eine der schönsten und interessantesten benannten Abfahrtsstrecken der Welt unrühmlich zu Ende.

In den Jahren 1946/47 entschlossen sich die Brüder  Heinrich und Max Obholzer (Garber) und Baumeister Josef  Binder (Greiderer) mit der Planung und dem Bau einer 90 Meter Schanze in Zellbergeben am Greidererfeld zu beginnen. Internationale Größen in dieser Disziplin wie Sepp Bradl, „Sepp Weiler mit  103 m  Weite und Schanzenrekord“,  Andreas Däscher, Walter Habersatter die Gebrüder Dietrich aus Seefeld  sowie Fritz Scherz aus Ramsau und viele andere gaben sich in Zell ein Stelldichein. Aber bei der dritten Großveranstaltung machte der Wettergott leider einen Strich durch die Rechnung. 

Zell gilt schon eben wegen seiner Höhenlage und auf Grund der langen Sonnenscheindauer einmal nicht als schneesicherer Ort. In  diesem Winter, ich glaube es war 1949/50, gab es nicht allzu viel Schnee, die Sportler waren schon die ganze Woche in Zell zum Training. Zum Wochenende fing es an zu regnen, der wenige Schnee war nicht zu halten und das Springen musste abgesagt werden.  Das alles war natürlich eine riesengroße finanzielle Pleite  und niemand war mehr bereit im kommenden Jahr dieses Risiko für eine Weiterführung dieser Großveranstaltung zu tragen.

Die ganze Schanzenanlage war aus Holz errichtet und verfiel natürlich. Es wurde alles demontiert und wieder der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt.  Auf diese Art und Weise kam auch für diesen Sportzweig in Zell notgedrungen das „Aus“!

Als Ing. Sepp Mühlböck, der langjährige Betriebsleiter der Gerlossteinbahn, seinen Beruf wechselte, hinterließ er  für den Sport in Zell eine riesige Lücke. Er übersiedelte mit seiner Familie nach Innsbruck  und übernahm beim Tiroler Skiverband den Posten des Sekretärs. Eines Tages teilte er mir in einen Telefonat mit, dass der Tiroler Skiverband einen Platz für die Errichtung einer 100 Meter Schanze suche  und er hätte hier sofort an Zell gedacht. Ich musste ihm leider mitteilen, dass dies an dieser Stelle nicht mehr möglich wäre, da mitten im Anlaufbereich ein Wohnhaus errichtet wurde. Somit war diese große Möglichkeit in Zell, auf sportlichen Gebiet einen großen Meilenstein zu setzen, endgültig verspielt. “Jammerschade, es wäre ein Gewinn für die ganze Region gewesen!