Tanzend durch die Coronakrise!


Als Tanz- und Musicalschule stehen wir wie auch alle anderen Schulen vor dem Problem, dass plötzlich keine Schüler mehr da sind. Also Schüler sind schon da, irgendwie, aber die Räume sind leer, dort wo normalerweise spätestens ab 13.00 Uhr Trouble herrscht, die Türen auffliegen und sich Freunde in die Arme fallen, hört man eine Stecknadel fallen oder vielleicht mal ein Knacksen der Lüftung.

Es ist Freitag, vor zwei Wochen, wir sitzen mitten im Tanzstudio mit unseren Juniors zusammen und spüren die Verunsicherung und das bei Jugendlichen, die es gewohnt sind, auf der Bühne zu stehen, zu tanzen, zu singen und in Rollen zu schlüpfen die „keinem“ liegen. An einen geordneten Musicalunterricht ist jetzt nicht zu denken. Jeder hat Fragen, will wissen wie es weitergeht, erzählt aus der Schule, dass der Klassenvorstand erklärt hat wie die nächsten Wochen ablaufen und plötzlich schauen alle den Trainer an?  Moment, habe ich da eine Frage überhört? Hat da nicht jemand gefragt: „Wäre es nicht cool, wenn wir die Quarantäne im Studio verbringen würden?“ Die Argumente sind natürlich überzeugend, man könnte gemeinsam lernen, wir haben ja eine Hausaufgabenecke, gemeinsam tanzen und zusammen im Ballettraum schlafen, es wäre wie Trainingslager nur etwas länger und vor allem nicht alleine zuhause. Nach einer kurzer Bedenkzeit und vielen Bitte, Bitte….. Biiiitttteeeeee… haben wir uns dann doch dagegen entschieden.

Jetzt sind wir zwei Wochen später und was hat sich getan. Wer jetzt glaubt, die Tanzschule ist geschlossen, irrt gewaltig, sie ist nach wie vor offen und das ganz nach den Regeln des Epidemiegesetzes von 1950. Innerhalb kürzester Zeit wurde ein Onlinestundenplan aus dem Boden gestampft, Tanzanleitungen gefilmt und statt im Tanzstudio die Stunde abzuhalten, kommen wir zu den Kindern nach Hause und das online mit einer Netmeetingsoftware, die sonst nur großen Unternehmen fürs Homeoffice oder Videokonferenzen vorbehalten ist.

Egal ob auf dem Smartphone oder dem Laptop, die Kinder sind mit vollem Eifer dabei und die anfängliche Skepsis weicht der Begeisterung. Die Stunden sind viel intensiver, müssen besser vorbereitet werden und verlangen viel mehr an Disziplin ab. In der Schule oder im Tanzunterricht kann man ja auch mal quatschen, stört ja eh nicht, aber beim Netmeeting geht das nicht, da hören wirklich alle alles! So gilt, die ersten 15 Minuten vor dem Unterricht gehören den Kids, da darf gequatscht, Kostüme ausprobiert werden und es gibt Führungen durchs Kinderzimmer oder Haus, aber dann heißt es Mikros stumm schalten und genau zuhören.

Der Ablauf einer Stunde ist natürlich genauso wie im Tanzstudio, erst wird sich aufgewärmt, gedehnt, dann neue Schritte gelernt und alte wiederholt. Wenn Schritte bzw. Übungen wiederholt werden, kann sich der Trainer immer wieder jemanden groß auf den Bildschirm holen, das ist dann für alle sichtbar, und verbessern. Zusätzlich gibt es eine Chatfunktion und die Stunden werden automatisch mitgeschnitten, so kann man sich dann hinterher die Stunde noch einmal anschauen und komplizierte Schritte in Ruhe nachlernen.

Unser Fazit lautet, die Onlinestunden ersetzen nicht den normalen Unterricht, das Zwischenmenschliche, die Interaktion und das „Wir“ Gefühl, aber als Überbrückung in der Krise sind die Stunden ein hervorragendes Instrument, um weiter unterrichten zu können und den gestressten Eltern mal eine Stunde Ruhe zu gönnen.  Wir werden in Zukunft die Onlinestunden weiter nutzen, nicht als Hauptunterrichtswerkzeug, sondern um unseren Tänzern auch wenn sie mal nicht ins Studio dürfen bzw. können die Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen. Wir freuen uns darauf, nach der Krise endlich wieder im Studio durchstarten zu können.

Interressierten bieten wir an, auch mal bei einer Onlinestunde teilzunehmen, egal ob Tänzer oder Nichttänzer, mit Erfahrung oder ohne.